Gemeinsamer Einkehrtag der beiden KAB-Vereine St. Josef und St. Paulus

Wie in jedem Jahr begannen die beiden KAB-Ortsvereine St. Josef und St. Paulus das neue Jahr mit einem Einkehrtag. Zweiunddreißig KAB-Mitglieder folgten der Einladung ins Canisius-Stift.

Pfarrer Alfons Homölle referierte zum Thema:IMG_0158

„Glaube, der lebendig macht!“  

Pfarrer Homölle zeigte auf, dass der Glaube auf die Liebe zu Gott, den Menschen und zu sich selbst beruht.

  • Durchlässig sein für Gottes Liebe!

Die Kernaussage des Alten Testaments lautet: „Jahwe ist ein barmherziger und gnädiger Gott, langmütig, reich an Huld und Treue“ (Ex 34,6). Diese Zusage zieht sich durch die ganze Bibel.

Im Gleichnis vom verlorenen Sohn und seinem barmherzigen Vater bringt Jesus die Geschichte aller Menschen und ihre Beziehung zu Gott auf den Punkt. Wenn wir von der Bibel nur noch diesen Text hätten, dann könnten wir allein mit dieser Frohen Botschaft leben und auch sterben. Mit diesem Gleichnis offenbart uns Jesus das innerste Wesen Gottes, und das ist die Liebe. Gottes Liebe ist immer unendlich, aber sie erscheint uns am größten, wenn sie verzeiht, wenn sie barmherzig ist.

Weil ich glaube, dass Gott unendlich barmherzig ist, kann ich selbst auch barmherzig sein zu meinem Mitmenschen und zu mir selbst. Es geht eigentlich nur darum, durchlässig zu sein für die Liebe Gottes. Das ist alles. Wenn ich das nicht glauben würde, müsste ich resignieren, ja verzweifeln.

  • Und auf Gottes Beistand vertrauen!

Jesus hat uns zugesagt, dass wir nicht alleingelassen sind, sondern dass wir einen Beistand haben, den wir anrufen können. In der Pfingstsequenz bekennen wir: „Ohne dein lebendig Wehn kann im Menschen nichts bestehen, kann nichts heil sein noch gesund.“ Ja, ich glaube, dass „Gottes Liebe ausgegossen ist in unsere Herzen durch den Heiligen Geist“. Damit glaube ich, dass Gottes liebender Geist uns führt, wenn wir ihn darum bitten und uns ihm anvertrauen. Das ist für mich wie ein roter Faden, der sich durch mein Leben zieht. Roger Schütz, der erste Prior von Taizé, sagt uns ein wichtiges Wort: „Am Abend unseres Leben wird es die Liebe sein, nach der wir beurteilt werden, die Liebe, die wir allmählich in uns haben wachsen und sich entfalten lassen, in Barmherzigkeit für jeden Menschen.“

In seinem Vortag streute Pfarrer Homölle immer wieder Erfahrungen und Begebenheiten aus seinem Leben ein, um seine persönlichen Erfahrungen mit dem Glauben darzulegen.
So war es für ihn Pflicht als Kind und Jugendlicher jeden Sonntag in die Kirche in Ahle zu gehen und das wurde nicht hinterfragt.
Nach seiner Ausbildung besuchte er eine bischhöfliche Abendschule in Neuss. Morgens wurde gearbeitet und Nachmittags ging es in die Schule. Auf der Arbeit wurden er und zwei weitere Mitschüler von den Kollegen wegen des Besuchs der bischöflichen Schule gehänselt. Erst eine Zurechtweisung des Meisters, der fest im Glauben stand, brachte hier eine Besserung.
Bei seinen Kaplanstellen hatte er manchmal Probleme mit seinen vorgesetzten Pastören, die sich zum Teil streng an die Regeln der katholischen Lehre der damaligen Zeit (z. B. kein kirchliches Begräbnis eines aus der Kirche ausgetretenen Verstorbenen) hielten.
Weiter brachte er seine langjährigen Erfahrungen als Notfallseelsorger mit in seinen Vortrag ein. In solchen Situationen wird der Glaube auf harte Proben gestellt.IMG_0150

  • Was und warum ich glaube

Pfarrer Alfons Homölle verlas die Predigt eines älteren Geistlichen, die er anlässlich seines eigenen Geburtstages hielt. Der Inhalt stimmt mit seinen eigenen Glaubenserfahrungen überein.

Was habe ich als Achtzigjähriger noch zu sagen? – Nun, ich denke, meine Mitmenschen dürfen von mir erwarten, dass ich ihnen anvertraue, woran ich mein Leben festmache. Für mich selbst ist es auch wichtig, dass ich mich mit anderen über Freud und Leid meines langen Lebens austausche und damit über meine Grundeinstellung und meinen Glauben.

Ich glaube trotzdem!

Als Priester und Seelsorger bin ich in meinem Leben mit viel Leid konfrontiert worden und bin es immer noch. Angesichts des Elends in der Welt und unter den Menschen habe ich schon mehr als einmal gestöhnt: „Gott, warum hast du keine bessere Welt geschaffen?“ In solchen Situationen fällt mir dann auch Albert Camus ein, der in seinem Roman „Die Pest“ einen Arzt sagen lässt: „Ich werde mich bis in den Tod hinein weigern, die Schöpfung zu lieben, in der Kinder gemartert werden.“ (Auch denke ich dann meistens an Reinhold Schneider, der in seinem letzten Werk („Winter in Wien“) geschrieben hat, dass er Gott nicht mehr mit „Vater“ anreden könne. Ja, das Leid unter den Menschen macht mir viel zu schaffen und ich nehme die Menschen sehr ernst, die deswegen nicht an Gott glauben können.

Aber warum glaube ich? – Was lässt mich vertrauen, dass unser Leben trotz aller schlimmen Erfahrungen einen letzten Sinn hat? Und worin soll dieser Sinn bestehen? Ich gehe da von der Sehnsucht der Menschen aus. Ich bin davon überzeugt, dass alle Menschen zu allen Zeiten sich danach sehnen, bejaht und anerkannt, also geliebt zu werden. Wenn diese Sehnsucht nie endgültig in Erfüllung geht, worin soll dann der Sinn menschlichen Lebens bestehen? Wenn sinnlose Menschenschicksale sich milliardenfach wiederholen, ergibt das kein sinnvolles Ganzes. – Also, was lässt mich glauben und hoffen?

Weil Gottesliebe Frucht bringt!

Wir kennen die Antwort, die Jesus auf die Frage nach dem Wichtigsten im Leben gegeben hat: Das ist totale Liebe! Das heißt: Gott, die Menschen und sich selbst lieben. Totale Liebe – schön und gut. Das wollen wir alle. Aber wie soll das gelingen? Ist das nicht nur eine Utopie oder ein frommer Wunsch? Die entscheidende Antwort gibt auch hier Jesus, wenn er feststellt: „Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht, denn getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen“. Jesus nennt uns seine Freunde, für die er sein Leben hingibt. In seiner Freundschaft können wir mehr und mehr zu liebenden Menschen heranreifen.

IMG_0160Im letzten Teil seines Vortrages ging Pfarrer Homölle noch auf das Jahr der Barmherzigkeit ein, das am 8. Dezember 2015 von Papst Franziskus ausgerufen wurde.

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Der Vortrag wurde durch eine Kaffeepause unterbrochen.
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Dank an Pfarrer Homölle
Zum Schluss bedankte sich der Vorsitzende der KAB St. Josef, Klaus Hemsing bei Pfarrer Alfons Homölle und überreichte ein kleines Präsent.

In der abschließenden Messe wurde auch das Gebet zur Barmherzigkeit gebetet, dass von Papst Franziskus verfasst wurde:

Herr Jesus Christus,logo-jahr-der-barmherzigkeit
du hast uns gelehrt, barmherzig zu sein wie der himmlische Vater,
und uns gesagt, wer dich sieht, sieht ihn.
Zeig uns dein Angesicht, und wir werden Heil finden.

Dein liebender Blick
befreite Zachäus und Matthäus aus der Sklaverei des Geldes;
erlöste die Ehebrecherin und Maria Magdalena davon,
das Glück nur in einem Geschöpf zu suchen;
ließ Petrus nach seinem Verrat weinen
und sicherte dem reumütigen Schächer das Paradies zu.
Lass uns dein Wort an die Samariterin so hören,
als sei es an uns persönlich gerichtet:
„Wenn du wüsstest, worin die Gabe Gottes besteht!“

Du bist das sichtbare Antlitz des unsichtbaren Vaters
und offenbarst uns den Gott, der seine Allmacht vor allem
in der Vergebung und in der Barmherzigkeit zeigt.
Mache die Kirche in der Welt zu deinem sichtbaren Antlitz,
dem Angesicht ihres auferstandenen und verherrlichten Herrn.

Du wolltest, dass deine Diener selbst der Schwachheit unterworfen sind,
damit sie Mitleid verspüren mit denen, die in Unwissenheit und Irrtum leben.
Schenke allen, die sich an sie wenden,
die Erfahrung, von Gott erwartet und geliebt zu sein
und bei ihm Vergebung zu finden.

Sende aus deinen Geist und schenke uns allen seine Salbung,
damit das Jubiläum der Barmherzigkeit ein Gnadenjahr des Herrn werde
und deine Kirche mit neuer Begeisterung
den Armen die Frohe Botschaft bringe,
den Gefangenen und Unterdrückten die Freiheit verkünde
und den Blinden die Augen öffne.

So bitten wir dich,
auf die Fürsprache Marias, der Mutter der Barmherzigkeit,
der du mit dem Vater in der Einheit des Heiligen Geistes
lebst und herrschst in alle Ewigkeit.

Amen.